Brunnenbauprojekt


Die Situation der Wasserversorgung wird von Jahr zu Jahr schwieriger, weil Madagaskar bereist erheblich unter den Folgen des Klimawandels zu leiden hat. Im Norden regnet es heftiger, im Süden sind die Regenzeiten kürzer, kommen unregelmäßiger und fallen auch schon mal ganz aus. Dann  vertrocknen die Tümpel und nach einiger Zeit versiegen auch die Brunnen. Die Dorfbevölkerung kann sich evtl. noch Wasser beim Tankwagen kaufen (wenn man das Geld dafür hat), der einmal pro Woche vorbei kommt. Aber die Pflanzen und Tiere drohen zu vertrocknen bzw. zu verdursten.

Der Dorfbrunnen von Andalamengoke liegt am tiefsten Punkt der Gegend, gleich neben einem Tümpel, der den Kindern zum Baden und den Tieren als Tränke dient. Als erste Maßnahme wurde der Brunnen eingefasst und sollte dann eine Solarpumpe erhalten, um das kräftezährende Wasserholen per Eimer zu vermeiden.

Wenn eine Solarpumpe tagsüber Wasser fördert muss es aufgefangen werden, also benötigt man einen Wasserbehälter. Beides wurde finanziert von InWent und vor Ort gekauft und alles schien bestens zu laufen. Sogar ein kleines Häuschen wurde errichtet, darin sollte ein Wasserwächter tagsüber aufpassen, dass nur nach Bedarf das Wasser geholt wird. Aber durch den Ausfall der Regenzeiten trocknete zuerst der Tümpel und wenig später dann der Brunnen aus, so dass unsere Pläne zumindest vorerst hinfällig waren.



Bild: Wasserbehälter und Wasserhaus (für den Wasserwächter) 


Die Situation hatte sich 2009 derart verschärft, dass das Wasser rationiert werden mußte: pro Familie zwei Eimer Wasser pro Tag. Dazu mußten die Familienangehörigen stundenlang am Brunnen sitzen und warten, bis sich der Bruinnen so weit gefüllt hatte, dass ein Schöpfen möglich war.



Bild: Alle warten auf mehr Wasser, der Brunnen trocknet aus...

Der Brunnen, etwa 5 m tief,  wird hauptsächlich durch oberflächennahes Schichtenwasser gefüllt, also müssten wir ihn auf Grundwasser umstellen. Um festzustellen, wo im Dorf sich Grundwasser befindet wurde eine Firma mit der Durchführung eines Gutachtens beauftragt zu prüfen, ob unterhalb des vorhandenen Brunnens Grundwasser gefunden werden kann. Dieses wurde durch Messungen bestätigt und zusätzlich wurde festgestellt, dass ein erhebliches Wasser-vorkommen sich außerhalb des Dorfes in zwei Kilometer Entfernung befindet.


Bild: Wasserbehälter für den neuen Brunnen, 2000 l Fassungsvermögen

Daraufhin hat die Firma den Auftrag erhalten, dort eine Bohrung anzulegen, einen Wasserbehälter aufzustellen und eine ein km lange Wasserleitung bis zum ersten Brunnen (an der Schule) zu verlegen. Da es ein leichtes Gefälle zur Schule (und von dort weiter zum Dorfbrunnen) gibt, ist keine weitere Pumpe erforderlich. Die Wasserrohre sind beschafft und lagern zusammen mit dem Wasserbehälter auf dem Grundstück unseres Partners. Diese Bohrarbeiten haben sich bisher verzögert, da die Bohrmaschine auf Grund der gestiegenen Nachfrage sich im ständigen Einsatz befindet.


Bild: Brunnenbetrieb, hier noch mit Handkurbel

Seit Ende 2010 ist der neue Brunnen in Betrieb, noch im Testbetrieb, aber es zeigt sich, dass hier genügend Wasser verfügbar ist. Es handelt sich um eine Rope-Pumpe, die im Prinzip aus einem Seil besteht, in welches im einfachsten Fall dicke Knoten  eingeknotet wurden, wenn es sich um eine komfortablere Ausführung handelt werden Scheiben axial befestigt, beides soll als Kolben wirken. Dieses Seil wird durch ein Rohr hochgezogen, welches im Grundwasser hängt. Kommt es oben aus dem Rohr heraus kann das Wasser aus einer seitlichen Öffnung abfließen, während das Seil über eine große Rolle wieder neben dem Rohr nach unten wandert. Im Internet gibt es sowohl eine Bauanleitung als auch div. Youtube-Filme. Unsere funktioniert erstaunlich gut und man wundert sich nur, welche Kraft aufzubringen ist um diese Wassersäule nach oben zu heben.




Bild: Wasserholen macht anscheinend Spaß


Unser Brunnen ist zweimal am Tag geöffnet (der Mann mit der Kurbel hat das Sagen), einmal am Morgen und dann wieder am Abend, evtl. noch zwischendurch, wenn die Kinder eine Erfrischung brauchen.


Seit 2008 hatte es in der Regenzeit keinen Tropfen mehr geregnet. In 2009 war daraufhin der Dorfbrunnen ausgetrocknet, in 2010 auch der Dorfteich. Die Menschen mußten entweder vom Wasserauto das Wasser kaufen oder lange Wege bis zu einer Quelle gehen, die Ochsen wurden jeden Tag über km zum nächsten Tümpel getrieben. In diesem Jahr 2011 kam mit der Regenzeit wieder Regen, dieses mal aber so heftig und lange wie seit Jahren nicht mehr. Das führte zur Überflutung des Brunnens und zur Überschwemmung des Dorfteiches, das gesamte Gebiet ist kilometerweit überschwemmt. Glücklicherweise hatten wir Ende 2010 einen neuen Brunnen anlegen können, der auch jetzt dringend benötigt wird. Denn die Menschen können baden und die Tiere trinken, aber sauberes Trinkwasser gibt es nur im neuen Brunnen.


Bild: kein Brunnen mehr zu sehen, alles nur ein riesiger See.

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