Fahrradprojekt

Das Fahrradprojekt ist aus der Sorge entstanden, dass die Kinder aus Andalamengoke nach dem Besuch der Grundschulzeit ihre Schulkarriere als beendet erklären, weil ihnen der Besuch der weiterführenden Schule (College) im 12 km entfernten Sakahara zu mühsam sein würde. Ehrlich gesagt, ich würde es mir auch überlegen, denn 12 km zu Fuß (etwa 2 Std.) vor der Schule und die gleiche Strecke am späten Nachmittag zurück (die Stadtkinder haben eine lange Mittagspause und gehen nach Hause zum Essen), das ist nur etwas für ganz Wenige.

Wir haben unsere Frage an unsere Partner in Madagaskar weiter gegeben und von dort kam eine einfache Antwort: Wenn die Kinder mit dem Rad zum College fahren würden wäre dieses Problem für die meisten Kinder kein Problem mehr, denn das ist schon etwas besonderes ein Fahrrad zu besitzen. Und Romain unser madagassische Freund empfahl noch einen Schritt weiter zu gehen: Die Kinder, die das College bis zum Ende durchhalten würden, bekämen dann ihr Fahrrad geschenkt, bis dahin ist es nur eine Leihgabe.

Dies erschien uns ein guter Vorschlag und wir hatten sofort Ideen, wie wir diesen Wunsch erfüllen könnten: An der Thomaskirche wird zu einer Fahrrad-Sammelaktion aufgerufen und für den Transport könnten wir die gtz ansprechen, die solche Transporte von Hilfsgütern unterstützt. Ein Aushang im Schaukasten war im Handumdrehen fertig, die Kirche räumte uns in der Garage einen Sammelplatz ein und es konnte losgehen. Es ging auch los, aber die allermeisten Räder konnten wir so nicht nach Madagaskar senden, weil sie doch leicht bis stark reparaturbedürftig waren. Jetzt begann der härtere Teil unserer Aktion: die Mitglieder der Ökumen. Umweltgruppe riefen den Dienstag zum großen Reparaturtag aus, ab 16 Uhr wurde die Garagentür weit geöffnet und die Räder demonstrativ aufgebockt. Als erstes haben wir eine Bestandserhebung durchgeführt, was an Ersatzteilen benötigt würde. Diese Teile wurden besorgt wobei wir darauf achteten, dass auch die Maßnahme "aus 2 mach 1" berücksichtigt wurde.

Ich mache es kurz: unser Apell zum Mitmachen blieb ungehört, wir blieben während der 6 Monate unter uns, auch die Hoffnung, dass die im Nachbarraum tagende Jugendgruppe uns einen Besuch abstatten würde, hat sich nicht erfüllt, aber einen  gelernten Fahrradmechaniker haben wir als treuen Freund gefunden und gewonnen, Danke Hartmut.

Wir haben auch gute Räder erhalten, die wir direkt ins Lager bringen konnten, die meisten aber mußten sich einer Erneuerungskur unterziehen, und wir haben strenge Maßstäbe angelegt: die Räder mußten die deutsche Straßenverkehrsordnung erfüllen, dh. Licht war ebenso wichtig wie die Klingel, besonderen Wert legten wir auf "wenig Technik" (eine 3-Gang-Nabenschaltung war ok) und stabilen Gepäckträger (das war goldrichtig, denn im Nachhinein haben wir erfahren, dass bei Schulausflügen die Räder in der Regel zu Zweit genutzt werden).

Neben den Rädern haben wir mehrere Kartons mit Ersatzteilen mitgegeben, eine stabile Holzkiste (abschließbar) mit Werkzeug und jede menge Flickzeug sowie ein Handbuch für die Fahrradmontage, auf französisch. Inzwischen hatten wir von der gtz grünes Licht für einen Conatienrtransport erhalten, also suchten wir nach weiteren Dingen, die unsere Partner in Madagaskar immer gebrauchen konnten. Besonderes Augenmerk galt unserer Schule, die wir mit viel Papier (zum Schreiben und Malen), Schreib- und Malstiften und einigen französischen Büchern versorgten. Eine Spende mußte unbedingt mit: ein Karton mit Teddys, Puppen und Kuscheltieren. Die Kinder werden sich darüber gefreut haben, sicher auch über die Bälle. Und schließlich noch eine Kiste mit einigen Solarmodulen für die Schulbeleuchtung.


Bild: der Container wird beladen

Inzwischen bekamen wir auch grünes Licht aus Andalamengoke, denn die bewohner meldeten den Vollzug für den Bau des Fahrradschuppens. Als wir dann einige Wochen später die Fotos erhielten waren wir mehr als überrascht, denn es wurde uns Madagaskars schönster Fahrradschuppen präsentiert, Sie werden das bestätigen wenn Sie diese Bilder sehen:


Bild: Madagaskars schönster Fahrradschuppen steht in Andalamengoke

Wie sehr oft ist ein Containertransport in Afrika eine aufregende Angelegenheit, denn erstens wird es immer teurer als man plant und zweitens ist die Ankunft dennoch ungewiss. Unsere Räder erreichten nach langer Wartezeit und endloser Fahrt dann doch noch ihr Ziel, aber zwischendurch wurde umgeladen (der Fahrer hatte in Tana einen lukrativeren Auftrag erhalten) und beim Umladen gingen 3 Räder verlustig. Wenn dann der Container doch noch eintrifft ist man schließlich froh und vergißt den Ärger schnell, besonders wenn man auf den Fotos erkennen kann, dass die Helfer beim Auspacken ihre Freude hatten.


Bild: die Sendung aus Deutschland wird ausgepackt

Die Räder standen einige Zeit im Fahrradschuppen, aber unser ganzer Plan wurde dann doch nicht so umgesetzt wie vorgesehen, da durch die Schulreform der Besuch des College in der Kreisstadt entfallen konnte. Jetzt werden die Räder noch zu Schulausflügen in die Umgebung, in den Nationalpark, ins Nachbardorf oder in die Kreisstadt benutzt und hin und wieder kommen auch die Dorfbewohner und wollen damit zum Markt fahren. Wenn damit mehr transportiert werden könnte, z.B. Mais oder Maniok, würde die Nachfrage bestimmt größer sein.


Bild: Ausflug der Schulkinder mit unseren Fahrrädern


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