Sanitärprojekt


Auif dem Lande und also auch im Süden von Madagaskars ist es üblich, seine Notdurft im Freien zu verrichten. Das geht solange gut, wie die Zahl der "Freigänger" übersichtlich bleibt und nach einem gewissen System abläuft, also hier links hocken die Frauen und dort rechts die Männer und alles wird ordentlich verbuddelt.

Spätestens in der Schule mit 200 Kindern täglich funktioniert dieses System nicht mehr so gut und daher war der Bau einer Toilette eine Frage der Zeit, für uns zumindest. Eine Toilette zu bauen ist das eine, eine Toilette zu benutzen ist eine ganz andere Angelegenheit. Während man beim fehlenden Schulbesuch ziemlich schnell erkennen kann, dass Lesen und Schreiben spätestens beim nächsten Marktbesuch nützlich ist, kann die Frage der Hygiene nur am Krankenstand abgelesen werden. Durchfallerkrankungen sind die häufigsten Folgen mangelnder Hygiene, sei es durch verschmutztes Wasser oder der Kontak mit tierischem oder menschlichem Kot. Wir sind an dieses Problem sehr pragmatisch herangegangen und denken, dass der Toilettenbesuch schon mit den Erstklässlern geübt werden muss und die Lehrer sind die besten Vorbilder.

Da nicht genügend Wasser für eine moderne Wassertoilette und auch nicht für ein Dreikammersystem zur Verfügung steht, musste eine Komposttoilette errichtet werden, also ein Plumpsklo, welches sich nur ganz allmählich füllen wird und dann für ein Jahr geschlossen werden soll, damit sich der Rest zersetzen und später als Kompost genutzt werden kann. Wir werden also in aller Ruhe Erfahrung sammeln können bzgl. Nutzungsverhalten, Sauberkeit und Kompostverwendung, vielleicht muss der Zersetzungsprozess in der Grube durch direkte Sonnenbestrahlung unterstützt werden.



Bild: Vorderansicht, links für Schüler, rechts für Lehrer

Im April 2010 wurde die Toilette durch den Bürgermeister der Kreisstadt Sakaraha der Schule übergeben und in seiner einstündigen Rede betonte er mehrfach, wie wichtig diese Einrichtung für die Schule und überhaupt für die allgemeine Hygiene ist. Nun bleibt abzuwarten, mit welchem Entwicklungs-tempo sich die Kinder an die neue Kulturtechnik heranwagen und es wird sicher einige Zeit dauern, bis alle davon Gebrauch machen. Für die Jungen wurde an der Rückseite eine Pinkelrinne eingerichtet, auch das ein Novum im Dorfleben. Wir schauen natürlich besonders aufmerksam auf das Problem der Reinhaltung und sind gespannt, ob der Besuch dieser Toilette auch im nächsten Jahr noch „Spaß“ macht.