Schulprojekt

Begonnen hat unser Schulprojekt an dem Tage, an dem unser Umweltgruppen-mitglied Romain feststellen mußte, dass die Kinder in Andalamengoke den ganzen Tag bei den Müttern im Haushalt (die Mädchen) oder bei den Vätern auf dem Felde (die Jungen) verbringen, anstatt zur Schule zu gehen. Zwar gibt es im 5 km entfernten Nachbardorf eine Grundschule, doch war sie entweder zu weit weg oder das Bewußtsein innerhalb der Dorfbevölkerung noch nicht so weit ausgeprägt, Romain jedenfalls hat eine lange Diskussion angestoßen. Zuerst mit dem Dorfchef, dann mit dem Bürgermeister und als diese die Notwendigkeit eingesehen hatten schließlich auf den Gemeindeversammlungen mit den Dorfbewohnern. Es dauerte fast ein Jahr, dann packten die Eltern der Kinder an und begannen mit dem Bau eines Schulhauses, als Romain ein Grundstück vorschlug und aus Deutschland genug Geld beisammen war, um die Inneneinrichtung bezahlen zu können.



Bild: Erster Schulunterricht unter einem Schutzdach, im Hintergrund der Neubau

Das erste Schulhaus wurde 2003 im Landesstil errichtet, d.h. aus gestampften Sandsteinen und Grasdach und besaß auch nur einen großen Raum. Die Schüler konnte nach einigen Wochen vom Freien in das Schulhaus umziehen und das Klassenzimmer war überfüllt, obwohl sich nicht einmal die Hälfte der Kinder für die Schule angemeldet hatten. Im ersten Schuljahr ging es ziemlich durcheinander, denn die Sechsjährigen wollten ebenso zur Schule wie die Zwölfjährigen, es war klar, dass sich das erst in den kommenden Jahren einpendeln würde. Für die erste Lehrerin war nicht einmal Platz für ein Lehrerpult und die Wände waren kahl, kein Bild, keine Landkarte, keine Tafel.


Bild: Unterricht in der ersten Klasse

Nach einem Jahr wurde es spannend, denn eine zweite Klasse wurde benötigt und aus Platzmangel wurde der Schulraum kurzerhand mit einer Holzwand geteilt. Es war bestimmt ein anstrengender Unterricht, von vorne die Stimme des eigenen Lehrers und von hinten die Stimmen aus dem Nachbarraum. Irgendwie ging es bis zu dem Tag, als der Dorftischler die ersten Schulmöbel lieferte: eine Bank-Tisch-Kombination für je zwei Kinder, insgesamt 10 Stück. Damit war der Raum der zweiten Klasse halb gefüllt, der Rest der Kinder mußte auf der Erde sitzen (wer zuerst kam den belohnte das Leben). Aber im Laufe des zweiten Jahres baute der Dorfzimmermann weitere Schulbänke und zum Jahresende saßen alle Zweitklässler nicht mehr auf dem Boden.


Bild: Die ersten Schulbänke sind heiß begehrt

In unserem Dorf war die Schule nur am Vormittag Schule, am nachmittag ein Spielplatz, denn Fenster und Türen gab es nicht und einen schöneren Spielplatz gab es weit und breit nicht. Da die Lehrer nicht 24 Std. aufpassen konntn sah das Schulhaus schon nach zwei Jahren ziemlich heruntergekommen aus und die Elternschaft beschloss eine Renovierung. Die deutschen Freunde wurden gebeten, Geld für Fenster und Türen beizusteuern und dieser Wunsch wurde erhört, nachdem wir das Bild unserer Schule vorgelegt bekamen.




Bild: Renovierung der Schule, die Kinder helfen

Es wurde angeregt, die beiden Räume mit Fenster und Türen auszustatten, um die spielerische Benutzung nachmittags einzuschränken. Bei dieser Aktion wurde das gesamte Gebäude renoviert und neu angestrichen und es sah anschließend richtig schmuck aus am ersten Schultag des dritten Jahres. Aber die dritte Klasse benötigte einen eigenen Raum um den Nachmittagsunterricht zu vermeiden. In solchen Momenten helfen manchmal Wunder: Die Schulverwaltung hatte ein Einsehen und ließ im Schnellverfahren ein Fertighaus hinstellen, welches auch gleich mit zwei Räumen ausgestattet war.




Bild: renoviertes Schulhaus, jetzt mit Türen und Fenstern. Romain macht die Abnahme

Für die drei bestehenden Schulgebäude wurden - mit Unterstützung der Umweltgruppe - Schritt für Schritt Schulmöbel hergestellt bzw. repariert , so dass jetzt alle Kinder einen Sitz bzw. Schreibplatz haben und keiner mehr auf dem Boden sitzen muss. 


Noch unbefriedigend gelöst war das Lehrerproblem bzw. deren Bezahlung. Während die erste Lehrerinnen noch von den Eltern (mit Naturalien) und von der Umweltgruppe (mit etwas Geld) bezahlt wurde, kam für die dritte Klasse eine staatlich ausgebildete und bezahlte Lehrerin, der die Aufgabe der Schulleitung übertragen wurde. Bei der Bezahlung der ersten beiden Lehrerinnen blieb es bei der alten Lösung, denn diese waren zwar gut, besaßen aber keine staatlich anerkannte Ausbildung. Und heute besteht das Lehrerkollegium noch immer aus solchen ohne und solchen mit Lehrerausbildung und entspr. unterschiedlich ist die Bezahlung.

In Afrika geschehen Wunder öfter, so auch in unserem Dorf anläßlich der Präsidentenwahl 2005. Der Landesvater plante die südliche Region zu besuchen und eine Kommission hatte entschieden, um sein Auge zu erfreuen sollte ein weiteres Schulgebäude auf dem Schulgelände errichtet werden. Natürlich größer und komfortabler als die bisherigen. Tatssächlich erschien ein Lastwagen und Bauarbeiter, die auch bald mit der Errichtung einer großen Fertigbauschule begannen. Der Rohbau stand, das Dach lag darauf, Fenster und Türen fehlten noch ebenso wie der Innenausbau, da brauste die Präsidentenkolonne vorbei und schlagartig ließ die Bautätigkeit nach. Leider hat der Präsident seitdem nie mehr die Gegend besucht und so sieht der Rohbau heute nach fast 5 Jahren noch genauso aus wie damals.



Bild: die "Präsidentenschule"

Wir würden gerne dieses halbfertige Schulgebäude instand setzen, denn die Wände sind stabil und das Dach ist dicht, der Rest muss renoviert oder vervollständigt werden, z.B. die Zwischenwände und der Fußboden. Drei Klassenräume passen hinein und dann könnten die Schulkinder statt auf den übrig gebliebenen Steinen zu hocken in einer normalen Schulumgebung lernen, das macht doch viel mehr Spass. Es würde auch gut in das Programm der Landesregierung passen, die jetzt beschlossen hat, dass unsere Schule in Andalamnegoke eine Modellschule für die neue Grundschule werden soll, die statt fünf dann über sieben Klassen sich erstreckt. Natürlich hoffen wir, dass auch mehr Lehrer kommen und unser Toilettenvorhaben wird dann noch wichtiger.

Inzwischen haben wir 2007, die Zahl der Kinder, die in die Schule gehen wollen, nimmt zu, es wird eng in den drei Klassenräumen, die vierte Klasse muss mit dem Unterricht auf den Nachmittag ausweichen. Diese Nachricht hat ein neues Bauvorhaben ausgelöst, es wird - völlig unangemeldet - ein weiterer Schulneubau mit zwei Klassen neben dem bestehenden Schulbau aufgebaut. Da fragen wir natürlich nicht warum und wieso, es hilft ungemein und die Situation ist zumindest für die nächsten beiden Jahre gerettet.


Bild: das zweite Zwei-Klassen-Schulhaus

Diese Neubauarbeiten regen die Dorfbevölkerung an, über ihr kleines bescheidenes erstes Schulhaus nachzudenken, Tradition hin, Neubau her, es wird eine grundlegende Renovierung beschlossen und dabei soll das Dach, welches tatsächlich mit der Zeit gelitten hat und an einigen Stellen undicht geworden ist, durch ein Blechdach ersetzt werden. Das Geld dafür kommt von der Ökumen. Umweltgruppe und wir erkennen unser altes Schulhaus kaum wieder, es sieht schmuck aus. Bei Regen allerdings soll es ziemlich laut im Klassenzimmer sein und bei Hitze säßen die Kinder lieber unter einem schattigen Baum.



Bild: Unser kleines Schulhaus nach der Renovierung

In 2010 müßten die ersten Kinder aufs College wechseln, die Grundschulzeit ist für den ersten Jahrgang abgeschlossen. Die Dorfbewohner haben bereits gefragt, warum ihre Kinder für den Besuch des College in die 12 km entfernte Kreisstadt fahren müssen, bei sovielen Grundschülern könnte doch ein College nach Andalamengoke kommen? Und als ob die Schulverwaltung diesen Wunsch gehört hat wurden wir von der Schulverwaltung informiert, dass die Grundschulzeit wieder auf 5 Jahre verkürzt wurde, also haben wir über Nacht 2 Jahrgänge die ins College gehören. Die Schulverwaltung löst dieses Problem elegant, indem sie kurzerhand die Schule in Andalamengoke zu einer Filialschule des College in Sakaraha erklärt und entsendet auch drei Lehrer.




Bild: Alle Schulhäuser auf einem Blick

Mit dem Schulprojekt können wir insgesamt zufrieden sein, denn es gibt nur noch wenige Kinder in dem Dorf, die nicht in die Schule gehen. Problematisch bleibt die Quote der Schulabbrecher, denn Jungen oder Mädchen ab 12 Jahre sind schon richtige Hilfskräfte im Haus, die gebraucht werden. Wir können zufrieden sein, wenn alle ihre Grundschulzeit bis zum Ende der 5. Klasse absolvieren, für den Besuch der weiterführenden Schule - das College - muss man abwarten.  Die Schulsituation hat sich in den Jahren seit Errichtung der Schule deutlich verbessert und die Quote der Schulgänger liegt weit über dem Landesdurchschnitt. Aber es besteht kein Grund zur Zufriedenheit, denn die erste Klasse wird von mehr als 50 Kindern besucht, in der siebten Klasse sinkt die Teilnehmerzahl auf unter die Hälfte. Ohne Frage liegen die Gründe hierfür sowohl im Bildungsstand der Familien als auch in der ökonomischen Notwendigkeit, dass zumindest während der Erntezeiten alle Kräfte der Familie benötigt werden. Und besonders die  Jungen ab 10. Lebensjahr können schon mit anpacken oder zumindest auf die Tiere aufpassen. Aus diesem Grunde wurde ein Programm entwickelt, welches den Schulbesuch verbessern soll:

  • - Attraktivität der Schule erhöhen (kosteenloses Mittagessen)
  • - den Besuch der weiterführenden Schule interessant machen (Fahrrad)
  • - das Bildungsniveau der Eltern erhöhen (Erwachsenenunterricht)
  • - Einrichtung einer Klasse für (erwachsene) Jugendliche, die den Schuleinstieg verpasst haben und jetzt einen Turboabschluss erzielen wollen, indem die Schuljahre in halber Zeit absolviert werden.

Aber wir entdecken auch Entwicklungen, die wir zwar auf unserer Agenda hatten, aber die Entwicklung war schneller als wir dachten: die Erwachsenen wollen Lesen und Schreiben können und die älteren Jugendlichen, die bei der Schulgründung zu alt oder zu träge waren, melden sich und wollen die Schule nachholen. Darüber können Sie mehr lesen im Kapitel "Alphabetisierung".

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